Vorhölle

Ich gehe on.
In dem kurzen Moment der digitalen Verwirrung, bevor Datenpakete geordnet heranströmen und vom Interface aufbereitet werden, bin ich der einsamste Mensch der Welt, der Ausguck eines heimkehrenden Walfängers, der im nebligen Morgengrau nur ahnt, dass die heimatliche Küste nahe ist. Dann tauchen Leuchtbaken im virtuellen Nebel auf, glimmende Stecknadeln an Briefkasten und Pinnwänden, die davon zeugen, dass ich im unendlichen Netz nicht allein bin. Manche Nadeln sind mit Koordinaten versehen, die auf Plätze in der realen Welt verweisen. Manche sind nur ein paar Straßen weiter, andere liegen auf anderen Kontinenten, doch im alles verbindenden Netz, so weitläufig und anonym es sein mag, ist jeder Freund ein Nachbar, der dir Zettel an die Haustür heftet. Und jeder dieser Zettel spendet in der absoluten Kälte der digitalen Vorhölle ein wenig Geborgenheit und Wärme.
Auch wenn man sie nur der Geburtstags-App auf Facebook zu verdanken hat.

Autor: Schubert

blickt schon aus beruflichen Gründen aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mit einer gewissen Distanz auf die vorbei ziehende Welt.

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