Die Geschichte der Musik – Polka-Style

Am Anfang war das Wort. Auf einer Heimdiashowleinwand flimmerte von Anteil nehmenden Lautbekundigungen aus dem Publikum begleitet die Geschichte von Opa Pjotrek Popolski vorbei, der vor hundert Jahren in seiner Heimat Zabrze begann, etwa 128000 Polka-Hits zu schreiben, die nach dem Krieg aus seiner Plattenbauwohnung in die Welt fanden. Aber sie wurden geklaut und „nach der Strich und nach der Faden verchunzt“. Und letzten Freitag in Düsseldorf präsentierte „der Familie Popolski“, die Kelly-Family der Polka, diese Hits wie sie gedacht waren. Wir kannten sie alle. Nur viele erkannten wir beinahe nicht. Dorota Popolski, die erotischste Bühnenerscheinung seit Jessica Rabbit, präsentierte „Dance with somebody“ als laszive Engtanz-Nummer und „tausendmal betrogen“ als Rock-Hymne. „Der traurigste Stimmungshit aller Zeiten“, den Opa Popolski in einer schlechten Phase im 12. Stock der Plattenbausiedlung in Zabrze komponierte, ein sehr ruhiges, melancholisches Bar-Jazz-Stück Namens „Ein bisschen Spass muss sein“ funktionierte ebenso prächtig wie die Beastie-Boys-Metal-Rap Version von „Cherry, Cherry Lady“, mit der Janusz, der jüngste Spross der Polka-Großfamilie, vom schüchternen, bei den gewerkschaftlich angeordneten und von einer Werksirene eingeläuteten Wodka-Pausen übergangene und in den Schattenwinkel hinter dem Schlagzeug verbannten Bübchen zum Rockstar mutierte, mit all der Attitüde und den Manierismen der neuen Rolle: nackter Oberkörper, Wodka-Dusche, (Bass-) Gitarrensolo. Ein großartiger Abend mit Gastauftritten von Glampolkarocker Andrzej und Vetter Elvek, dem Dick Brave der Polka. Es ist Kabarett und Musik-Comedy, die funktioniert, weil auf der Bühne Vollblutmusiker stehen, die mit großem Können und großer Freude ans Werk gehen. Das Publikum geht mit und „hebt der Hande“. Nach knapp drei Stunden ist die Show vorbei. Am Ende war Musik. Die Musik war Polka. Und es war gut.

Autor: Schubert

blickt schon aus beruflichen Gründen aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mit einer gewissen Distanz auf die vorbei ziehende Welt.

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