Auf der Suche

Wir sind ja irgendwie alle auf der Suche: die einen wie Herr Rossi nach dem großen Glück, die anderen nach dem Partner fürs Leben, wieder andere nach dem Autoschlüssel.

Deutschland sucht – falls wir den Quotendeutern glauben – Superpopgrandprixstars, Topfmodels, Bauersfrauen und alle möglichen Talente und lässt sich nur durch Nationalmannschaftsspiele dabei stören. Das Rezept dafür ist relativ einfach: Man nehme ein paar echte Talente, einige ausschließlich gut aussehende junge Menschen, Volltrottel und selbstverliebte Idioten, stelle sie wahlweise auf die Bühne oder setze sie in den Jurystuhl, sperre sie ein, hetze sie – selbst auf dem Klo von Kameras verfolgt – aufeinander, inszeniere Zickenkrieg, Schicksalsschläge, viele Tränen und serviere diesen Brei mit den immer gleichen drei Musikstücken (dramatisch, fröhlich, neutral) der angeblich repräsentativen Panelgruppe (das sind diejenigen, die rein zufällig ausgewählt wurden und deren Fersehgewohnheiten aufgezeichnet werden, damit man hinterher hochrechnen kann, wie viele Millionen Deutsche an dem Spektakel teilgehabt haben). Am Ende bleibt einer oder eine übrig, steht im Glitterregen und wird nach drei Wochen wieder vergessen. Bei den Fussballern ist diese Halbwertszeit der kollektiven Erinnerung tendenziell länger. Und wenn Du noch alle Deutschen Superstars und Topfmodels ohne schummeln aufzählen kannst, kannst Du was gewinnen.

Wir anderen stehen bei unseren Suchen weniger im Mittelpunkt der Klatschpresse. Identität – darauf läuft die große Suche wohl hinaus – ließe sich nur vermarkten, wenn sie massentauglich, beliebig und austauschbar wäre. Aber gerade dann wäre sie nicht befriedigend. Natürlich gehört es dazu, Idolen nach zu eifern. Wir wollen ihre Stärke spüren, Gruppen angehören, nicht allein im Sturm stehen (davon zeugt auch der ungeheure Erfolg der sozialen Netze in einer erkalteten Welt, in der durch ein faschistoid technokratisch-mechanistisches Menschenideal unsere traditionellen Bindungen unmöglich gemacht werden). Aber wenn ich eine exakte Kopie von jemand bin, bin ich dann noch ich selbst?

Die Suche ist eine Kunst für sich. Aber sind wir bereit zu finden und das Gefundene zu akzeptieren?

Von Schubert

blickt schon aus beruflichen Gründen aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mit einer gewissen Distanz auf die vorbei ziehende Welt.

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