Über Cockpittüren und Single-Pilots

Gedanken zu den missratenen Folgerungen aus dem Germanwings-Unglück.

Es geht schnell. Noch sind die Trümmer nicht eingesammelt, noch forscht die Untersuchungskommission nach Ursachen des Unglücks, schon beraten sogenannte Experten über neue Flugsicherheitskonzepte, die Unglücke wie das der Germanwings 4U9525 in Zukunft verhindern sollen.

Es soll ohne Tabus in alle Richtungen gedacht werden dürfen, Ziel sei ausschließlich eine Erhöhung der Sicherheit. Das ist genau betrachtet mindestens unwahr. „Über Cockpittüren und Single-Pilots“ weiterlesen

Da ist ein Loch!

Parties finden nicht immer an der nächsten Autobahnraststätte statt. Das ist auch gut so, sonst wäre es schwierig zu Fuß nach Hause zu laufen ohne in die Nachrichten zu kommen. Dafür muss man bisweilen kilometerweit übers Land fahren, um zu der Wandererhütte oder dem Kleingartenvereinsheim zu gelangen. Und nicht immer stellt man nach 10 Minuten Feldweg fest, dass man lieber doch noch nicht links abgebogen wäre, 1,3km nur eine ungefähre Streckenangabe war, und man auch auf der schlimmsten Ansammlung von Schlaglöchern nicht 10 Minuten für 150m braucht. Schlaglöcher, das sind diese Dinger, die man immer so spät sieht, dass man gerade nicht mehr ausweichen kann. Sie überfordern regelmäßig die Federung von für die Straße gebauten Fahrzeugen, und es fühlt sich kurzzeitig so an, als stürze das Auto ins Nichts, bevor es abrupt wieder nach oben geht. „Da ist ein Loch!“ weiterlesen

Der böse Fisch

Vor ein paar Jahren im Urlaub waren wir am letzten Abend schön Essen. Es war ein toller Ausklang der Ferien bei leckeren Mahlzeiten in einem schönen Restaurant. Am nächsten Tag war die Heimfahrt geplant, am Tag darauf fingen Schule und Arbeit wieder an. Wir wollten abwechselnd fahren um nicht zu lange Pausen machen zu müssen. Leider war das Fischgericht meiner Frau unverträglich. Die Nacht war grauenvoll und am nächsten Tag war sie nicht in der Lage zu sitzen, geschweige denn, ein Auto zu bedienen. Die Heimfahrt gestaltete sich dementsprechend. Ich heizte ohne richtige Pause durch. Ein Tankstopp und ein, zwei Nothalts an Autobahnparkplätzen. Ich brauchte zwei Tage um mich von dem Trip zu erholen, meine Frau war fast eine Woche lang krank.
In dem immer noch spannenden Klassiker „Flug in Gefahr“ von 1964 werden während des Fluges beide Piloten krank, weil das Fischgericht an Bord verdorben ist. Der Flug droht in einer Katastrophe zu enden, weil der Autopilot zwar Höhe und Kurs halten aber nicht landen kann. Nur ein mitreisender Weltkriegspilot hat keinen Fisch gegessen und kann mit Hilfe von Anweisungen über Funk das Flugzeug landen.

Was da in beiden Fällen passiert ist, nennt man auf Fachchinesisch „incapacitaion of crewmember“.
In der Folge des Fernsehfilmes und zahlreicher Hollywoodstreifen, die immer wieder den gesundheitsbedingten Ausfall der Cockpitbesatzungen als Ursache für drohende Flugzeugkatastrophen zum Thema hatten, wurden die Fluglinien nicht müde zu betonen, dass so etwas bei ihnen nie passieren könne. Die Qualität des Essens sei garantiert, die beiden Piloten dürften niemals die gleiche Bordmahlzeit essen und das ganze Szenario sei ohnehin völlig absurd. Letzteres Argument ist gar nicht mal so schlecht, wenn man betrachtet, was in Hollywood alles herhalten musste um Flüge in Gefahr zu bringen: Immer wieder Lebensmittel, Blitzschlag, Schnee, Schlangen, Kleinflugzeuge, Terroristen, Komplizen von transportierten Gefangenen, Störungen des Raum-Zeit-Kontinuums. Da ist ganz schön viel abseitiger Kram bei. Andererseits ist einiges davon tatsächlich schon zur Bedrohung im Luftverkehr geworden. „Der böse Fisch“ weiterlesen

Regentage

Wer täte das nicht
Es regnet seit Tagen. Der Garten hat sich in einen Sumpf verwandelt. Die Wege, auf denen ich mit dem Hund raus gehe, sind matschig und ohne Gummisteifel nicht zu passieren. Im Haus braucht man den ganzen Tag Licht. Alles ist grau.

Normalerweise wäre ich spätestens heute zur Arbeit gegangen, hätte meinen Koffer gepackt, die Uniform angezogen und wäre los gefahren. Ich hätte meine Kollegen getroffen, wir hätten das „Büro“ klar gemacht und wären in die graue Suppe hinein gestartet. Das Wetterradar hätte uns an den dicksten Schauern vorbei geführt. Trotzdem würde es hin und wieder wackeln, würden wir zum Schutz der Triebwerke Anti-Ice einschalten müssen. Doch dann, plötzlich, würden wir nach oben aus der Wolkendecke heraus brechen und ich würde mich wieder darüber wundern, dass das nicht von einem einprägsamen Geräusch, einem Tusch oder einem Klang wie bei der THX Demo begleitet würde. Der Himmel wäre plötzlich klar und von einem Blau, das man am Boden niemals zu Gesicht kriegt. Ich würde die Flugzeugnase leicht absenken um möglichst dicht über den Wolken zu beschleunigen, vielleicht durch ein paar dünne Fetzen hindurch zu schießen. Wir würden die Augen zusammenkneifen und einen Moment lang das Licht, die plötzlich zunehmende Wärme auf den Wangen spüren wollen, bevor wir die Sonnenblenden ausrichten, in unseren Taschen nach den Sonennbrillen kramen und die Rückenlehnen eine Raste nach hinten klappen würden. Ich würde in mich hinein lächeln in dem Bewusstsein, dass dies einer der Momente ist, für die ich meinen Beruf liebe.