Das Ende naht

Neulich war es wieder soweit. Der Hund hat gekotzt, das Kind hatte Fieber, das Wetter war mies und ich hab im Internet eine Weltuntergangsseite angesurft. Da stand es: Astronomische Phänomene, eine Zeitenwende, politische, geologische und astrologische Ereignisse würden dieses Jahr für das Ende sorgen. Und ich dachte, mir ginge es schlecht!

Aber der Reihe nach.

Der Maya-Kalender endet. Das kann nur Schlechtes bedeuten, denn das uralte Wissen der Mayas hat noch nie getrogen. Selbst den eigenen Untergang durch übers Meer reisende weissbärtige Götter haben sie vorher gesehen. Und nun endet nach deren Zeitrechnung nicht nur der Kalender sondern auch ein Zeitalter. Nostradamus hat für dieses Jahr den letzten Krieg vorhergesagt, der alle Kriege endgültig beenden wird. Dabei soll ein Drittel der Menschheit sterben. Am 21.12.2012 gibt es eine große Konjunktion. So nenne man das wenn Jupiter und Saturn zusammen oder in diesem Falle alle Planeten des Sonnensystems ungefähr in einer Reihe stehen, wobei diesmal die Reihe der Planeten mit der Sonne auf das Zentrum der Milchstraße ausgerichtet sein soll. Man erwartet heftigste Auswirkungen, auch astrologischer Art. Nibiru, der Planet X soll durch die Erdumlaufbahn gehen. Polsprung, Erdbeben und Sonnenstürme bedrohen uns, Viren, Außerirdische und eine Finanzkrise. Es wird also ganz schlimm. Doch es gibt Hilfe und Rettung: im verlinkten eigenen Shop kann man Survival-Kits, Wasserentgiftungstabletten und Klappspaten kaufen.

Dummerweise gibt es daneben aber auch Blogs wie den hier, die die ganze schöne Hysterie kaputt machen. Ich fasse zusammen:

Das Jahr 2000 der Maya

Der Maya-Kalender endet nicht. Mein Uli Stein Küchenkalender hat vor ein paar Tagen geendet. An Sylvester. Es hat geknallt und gestunken und es gab seltsame Lichter am Himmel, aber für einige von denen war ich selbst verantwortlich und irgendwann war die Feuerwerksbatterie dann abgebrannt. Bei den Maya endet dieses Jahr (falls sich bei der Umrechnung in unsere Zeitrechnung niemand verrechnet hat) ein Zeitalter. Das war bei uns zuletzt 1999 oder 2000 der Fall, je nach individueller Überzeugung wann jetzt wirklich das neue Jahrtausend beginnt. Was aus den damals angedrohten katastrophalen Folgen geworden ist, wissen alle, bei denen ein Notstromaggregat im Keller verstaubt und immer noch Dosengemüse zum Sonntagsbraten gereicht wird. Selbst völlig weltfremde Herr-der-Ringe-Fans wissen, dass auf ein Zeitalter meist das nächste folgt. Die Wikipedia weiss noch mehr dazu. Und was das uralte Wissen betrifft: In China hat gerade  – euphorisch begrüßt – das Jahr des Drachen begonnen. Es gilt als Glücksjahr, vor allem für die in diesem Jahr geborenen Kinder. Fruchtbarkeitskliniken erwarten einen enormen Zulauf. Das klingt nicht gerade nach Weltuntergang bei den vor Jahrtausende altem Wissen nur so strotzenden Chinesen.

Ich weiss gar nicht wie oft ich in den letzten 25 Jahren gelesen habe, dass dieses oder nächstes Jahr ganz bestimmt diese oder jene Prophezeihung des Nostradamus in Erfüllung gehen würde. Ist ja auch gar nicht so leicht, an dem vorbei zu kommen. Schließlich hat er ja ungefähr alles prophezeit, was man sich so vorstellen kann. Und da nach Murphys Gesetz alles was schief gehen kann, irgendwann schief gehen wird, ist durchaus damit zu rechnen, dass früher oder später der letzte aller Kriege ausbrechen, der Kahle den Bärtigen erschlagen, großes Gejammer über uns kommen oder sich eine dunkle Wolke von Osten aus über das Land ausbreiten wird. Ja, ich weiss, das war schon wieder von Tolkien. Etwa ein Drittel der Nostradamus bekannten Bevölkerung (Europa) starb übrigens bei der großen Pest von 1348. Eine ähnliche Anzahl Menschen wurde von der spanischen Grippe nach dem ersten Weltkrieg dahin gerafft. Der war einer der Kriege, die alle Kriege beenden sollten.

Die große Planetenaufreihung findet nicht statt. astronews.com und jedes beliebige Computer-Astronomie-Programm belegen das. Und falls doch, erinnern wir uns alle ganz sicher an die katastrophalen Folgen der letzten Planetenreihe im Mai 2000. Nicht? Ah ja.
Die Sonne steht übrigens zur Wintersonnenwende nicht IM Zentrum der Milchstraße, sondern optisch DAVOR. Von den heftigen astrologischen Auswirkungen, die das haben soll, können vor allem die Schützen unter uns ein Lied singen. Die kriegen das jedes Jahr ab. Und ob die Strahlung aus dem Zentrum der Milchstraße dieses Jahr heftiger wird als sonst oder heftiger als die vom nächsten Mobilfunksendemast bleibt ab zu warten und zu messen. Ein taugliches Messgerät habe ich in den diversen Weltuntergangsshops nicht gefunden. Aber wir vom Stoned Koala art project werden uns darum kümmern!

Nibiru ist nicht der Planet X. Das ist Pluto. Und der ist inzwischen kein Planet mehr. Nibiru ist ursprünglich wohl eine babylonische Gottheit, die, wie bei der ein oder anderen Gottheit durchaus üblich, eine astronomische Entsprechung erhalten (Ra, Jupiter…) oder als Beschreibung für einen Zeitpunkt (Wintersonnenwende) gedient haben könnte. Wie man von da aus auf die Geschichte des extrem elliptisch laufenden Planeten, der vor ca. 6000 Jahren mit defekter Atmosphäre die Erdbahn so nahe kreuzte, dass die Bewohner zu uns herüber fliegen und mit einer kleinen Genmanipulation aus Affen Menschen erschaffen konnten, die sie dringend zur Gewinnung von Gold für die Wiederherstellung ihrer eigenen Atmosphäre brauchten, ist schon eine erstaunliche Leistung. Ich tippe ja darauf, dass sich im Laufe dieses Spektakels die Umlaufbahnen von Flash Gordon und Barbarella kreuzten und Dr. Duran-Duran den grausamen Ming austrickste.

Einen Polsprung wird es nicht geben. Eine Polwanderung findet statt. Schon immer. Das liegt zum einen an der Bewegung der Kontinentalplatten (wenn ich mich drehe, ist z.B. vorne plötzlich rechts). Zum anderen könnten Veränderungen im Erdkern mitverantwortlich sein. Eine magnetische Feldumkehr dauert zwischen 4000 und 10000 Jahren. Es ist also nicht zu befürchten, dass ein Flugzeug im Landeanflug plötzlich Paderborn-Lippstadt nicht mehr findet, weil der Kompass plötzlich nach Rostock-Laage zeigt. Auch die Erdachse taumelt. Auch das geschieht schon immer.

Erdbeben finden statt. Täglich. Tausende. Eine Statistik der BGR belegt das. Erdbeben sind eine natürliche Folge der Kontinentaldrift. Die gefühlte Häufung der letzten Jahre hat einerseits technische Gründe (mehr Messstellen) andererseits publizistische (mehr Auflage). Das stärkste bisher gemessene Beben ist immer noch das in Chile von 1960.

zurück in die 70er?

Sonnenstürme gibt es seit es die Sonne gibt. Sie haben periodische Maxima, zuletzt letztes Jahr. Dabei war die Stärke der Eruptionen schwächer als (von den Medien) erwartet. Es gab – wie immer – Polarlichter und der Kurzwellenfunk war beeinträchtigt. Die befürchteten Stromausfälle hielten sich in Grenzen. Der Ausfall großer Teile des Kölner Telefonnetzes Ende Januar hatte andere Gründe. Durch besonders starke Sonneneruptionen könnten Satelliten beschädigt werden, schlimmsten falls könnten GPS, Astra und Mobiltelefon ausfallen. Das wäre natürlich eine Katastrophe! Es gäbe Staus auf den Autobahnen, Züge wären unpünktlich (also eigentlich wie immer), es gäbe weder CNN noch türkisches Fernsehen in Deutschland, man müsste sich fest verabreden bevor man das Haus verlässt oder an der Telefonzelle Schlange stehen. Es wäre wie 1970.

Viren sind immer wieder ein beliebtes Thema für Panikmache. Nicht immer ohne Grund, wie wir alle seit der letzten Pest von 1348 oder der spanischen Grippe (1918-1920) wissen. Die letzten groß angekündigten Katastrophen, Vogel- und Schweinegrippe, dienten aber eher der Profitmaximierung der Pharmaindustrie. Trotz typisch deutscher Impfmüdigkeit wollte sich einfach keine Epidemie einstellen. Möglicherweise helfen ja doch Händewaschen, gesunde Ernährung und – bei den anderen – Fernseh gucken. So laufen die ungewaschenen Chipsfresser nicht auf der Straße herum um sich anstecken zu lassen.

Weltfinanzkrise, Zusammenbruch unseres Finanzsystems! Das ist natürlich schlimm für alle, die ihr Geld an der Börse verdienen oder Geld und an sich wertlosen Kram wie z.B. Aktien horten. Für alle anderen, vor allem diejenigen, die nicht auf Milliardenschweren virtuellen Werten sitzen, müssen die negativen Folgen erst noch bewiesen werden. Möglicherweise täte eine grundlegende Reform des Weltfinanzsystems global betrachtet mehr Gutes als Schlechtes.

Was tun wir, wenn Außerirdische 2012 die Erde besuchen? Das gleiche wie immer. Das hat bis jetzt immer funktioniert, es wird auch weiterhin gut gehen.

Mir ist klar, dass ich hier niemanden von seiner Weltuntergangspanik heilen kann (ok, ein Versuch noch: „Alles wird gut!“). Man hat es als Mensch ja schon schwer genug, mit der Erkenntnis der Endlichkeit der eigenen Existenz. Noch schwieriger wird es, wenn man sieht, dass alles Schicksal letztlich individuell und niemals kollektiv ist. Es tut der Seele nicht gut, sich allein zu fühlen. Warum sonst sollten Selbstmörder so oft gleich die ganze Familie mit umbringen? Oder Sekten sich zum kollektiven Suizid verabreden? Mit der Erfindung der monotheistischen Religionen, wurde gleichzeitig das Ende aller Zeit erfunden. Was einerseits bedeutet, dass das ewige Wieder- und immer Wiederkehren auf diesen doofen Planeten Gottseidank (!) endlich ein Ende hat. Andererseits heißt das, dass echt irgendwann Schluss ist (zumindest für einen persönlich, und es ist schwer einzusehen, dass die anderen weiterhin Spaß haben dürfen). Und da der Mensch gerne einen Fahrplan hat und weiss wann der Zug fährt (das ist eine Metapher), findet er es total super, wenn jemand mal ein konkretes Datum für das Ende Aller Tage nennt. So wie Camping letztes Jahr: 21. Mai 2011, 18:00 jeweilige Ortszeit. Und das war schon das korrigierte Datum, nachdem 1994 nichts passiert war. Glaubt irgend jemand, der an den Weltuntergang glaubt, deswegen weniger daran? Nein, und das ist menschlich. Rechtzeitig zum nächsten garantiert echten Datum werden die Dosenvorräte aufgestockt, der Generator mit frischem Diesel befüllt, der Job gekündigt und die Kinder erwürgt.

Alles wird gut!

Und für alle, die in der bevor stehenden schweren Zeit Beistand, Hilfe und Symbole brauchen und bereit sind viel Geld dafür aus zu geben, ist das Stoned Koala art project tätig. Unsere Künstler entwickeln mit Hochdruck Dinge, die für den bevorstehenden Weltuntergang mindestens so nützlich sind wie der Kram, der in den Webshops der Apokalypsenprediger verramscht wird; und sei es nur, weil sie schön sind, Hoffnung spenden, und uns vom Projekt vor der Finanzkrise schützen. Wir nehmen auch gerne Geldspenden entgegen. Spender werden hier namentlich genannt. Sollten die Spenden für eine Yacht reichen, werde ich die drei Höchstspendenden mal mit auf See nehmen. Sollten Sie als Künstler beitragen und wertvolle Weltuntergangskunstwerke schaffen wollen oder schon geschaffen haben, kontaktieren Sie uns. Wir werden Ihnen hier Raum bieten. Alles wird gut!