Über Cockpittüren und Single-Pilots

Gedanken zu den missratenen Folgerungen aus dem Germanwings-Unglück.

Es geht schnell. Noch sind die Trümmer nicht eingesammelt, noch forscht die Untersuchungskommission nach Ursachen des Unglücks, schon beraten sogenannte Experten über neue Flugsicherheitskonzepte, die Unglücke wie das der Germanwings 4U9525 in Zukunft verhindern sollen.

Es soll ohne Tabus in alle Richtungen gedacht werden dürfen, Ziel sei ausschließlich eine Erhöhung der Sicherheit. Das ist genau betrachtet mindestens unwahr. „Über Cockpittüren und Single-Pilots“ weiterlesen

Was heißt hier sicher?

… müssen in der Konfliktzone zwischen Flugsicherheit und Produktivität die Organisation des Unternehmens und alle Managementprozesse, genau wie der Flugbetrieb selbst, fortwährend auf mögliche Risiken untersucht und diese auf ihren Einfluss auf die Flugsicherheit abgewägt werden.

Was ist eigentlich sicher? Und wie kann man Sicherheit erzeugen? Einfache Fragen, die das Leben ganz schön kompliziert machen können.

Mal ehrlich: schnallen Sie sich an? Immer? Und wie war das früher, als Sie noch ein Kind waren? Sind sie damals mit Fahrradhelm gefahren?
Wer heute mit dem Auto fährt, schnallt sich an. Die Zeit der Gurte, die unter Umständen gefährlicher sind als ihre Abwesenheit, ist seit Jahrzehnten vorbei. Außer ein paar Unverbesserlichen haben es heutzutage alle begriffen: Die Dinger retten Leben. Also schnallen wir uns an und haben damit das Unsrige zur Verkehrssicherheit getan. Essen, Rauchen, Trinken, Telefonieren, Streiten, all das hat dem Allgemeinverständnis nach wenig bis nichts mit Verkehrssicherheit zu tun. Bei Alkohol, Medikamenten und Müdigkeit sieht es kaum besser aus. Ganz schlimm wird es bei Gedankenlosigkeit und Rechthaberei. Was glauben Sie, wie oft »da hab ich nicht aufgepasst« oder »der hat mir die Vorfahrt genommen. Das hab ich dahinten schon kommen sehen.« Als (innere) Begründung für einen Totalschaden reichen muss. Stellen sie sich das mal in der Luftfahrt vor: Die letzten Worte des Piloten auf dem Stimmenrekorder »Das hab ich dahinten schon kommen sehen.« „Was heißt hier sicher?“ weiterlesen

Eins haben wir noch …

Vom Glück, doch eins extra eingebaut zu haben

Mitten in meine Arbeit am nächsten Beitrag für den Hauptsache sicher! -Blog kommt die Meldung über die Notlandung einer Air Berlin Maschine in Phuket daher. Leider ein paar Tage zu früh, denn ich wollte mich gerade so richtig darüber auslassen, wozu und warum im Flugzeug das ein oder andere Ding doppelt oder gar dreifach eingebaut ist. Jetzt konnten es alle sehen: Wenn was wichtiges kaputt geht, hat man besser noch eins dabei. Zum Beispiel Triebwerke. Ohne sie fällt entgegen landläufiger Meinung ein Jet zwar nicht gerade vom Himmel – in der Tat kann er ganz gut segeln – den Golf von Bengalen jedoch, wird man ohne den nötigen Schub, um Höhe zu halten, kaum überqueren können. Die Landung würde nass und das wäre nicht nur ärgerlich, weil zur Standard-Pilotenuniform keine Badehose gehört. Also hat man lieber zwei Triebwerke dabei, damit falls eins ausfällt, das andere den Jet sicher zurück (oder weiter) an Land bringen kann. Das hat auch in diesem Fall prima funktioniert. „Eins haben wir noch …“ weiterlesen

Da ist ein Loch!

Parties finden nicht immer an der nächsten Autobahnraststätte statt. Das ist auch gut so, sonst wäre es schwierig zu Fuß nach Hause zu laufen ohne in die Nachrichten zu kommen. Dafür muss man bisweilen kilometerweit übers Land fahren, um zu der Wandererhütte oder dem Kleingartenvereinsheim zu gelangen. Und nicht immer stellt man nach 10 Minuten Feldweg fest, dass man lieber doch noch nicht links abgebogen wäre, 1,3km nur eine ungefähre Streckenangabe war, und man auch auf der schlimmsten Ansammlung von Schlaglöchern nicht 10 Minuten für 150m braucht. Schlaglöcher, das sind diese Dinger, die man immer so spät sieht, dass man gerade nicht mehr ausweichen kann. Sie überfordern regelmäßig die Federung von für die Straße gebauten Fahrzeugen, und es fühlt sich kurzzeitig so an, als stürze das Auto ins Nichts, bevor es abrupt wieder nach oben geht. „Da ist ein Loch!“ weiterlesen

Der böse Fisch

Vor ein paar Jahren im Urlaub waren wir am letzten Abend schön Essen. Es war ein toller Ausklang der Ferien bei leckeren Mahlzeiten in einem schönen Restaurant. Am nächsten Tag war die Heimfahrt geplant, am Tag darauf fingen Schule und Arbeit wieder an. Wir wollten abwechselnd fahren um nicht zu lange Pausen machen zu müssen. Leider war das Fischgericht meiner Frau unverträglich. Die Nacht war grauenvoll und am nächsten Tag war sie nicht in der Lage zu sitzen, geschweige denn, ein Auto zu bedienen. Die Heimfahrt gestaltete sich dementsprechend. Ich heizte ohne richtige Pause durch. Ein Tankstopp und ein, zwei Nothalts an Autobahnparkplätzen. Ich brauchte zwei Tage um mich von dem Trip zu erholen, meine Frau war fast eine Woche lang krank.
In dem immer noch spannenden Klassiker „Flug in Gefahr“ von 1964 werden während des Fluges beide Piloten krank, weil das Fischgericht an Bord verdorben ist. Der Flug droht in einer Katastrophe zu enden, weil der Autopilot zwar Höhe und Kurs halten aber nicht landen kann. Nur ein mitreisender Weltkriegspilot hat keinen Fisch gegessen und kann mit Hilfe von Anweisungen über Funk das Flugzeug landen.

Was da in beiden Fällen passiert ist, nennt man auf Fachchinesisch „incapacitaion of crewmember“.
In der Folge des Fernsehfilmes und zahlreicher Hollywoodstreifen, die immer wieder den gesundheitsbedingten Ausfall der Cockpitbesatzungen als Ursache für drohende Flugzeugkatastrophen zum Thema hatten, wurden die Fluglinien nicht müde zu betonen, dass so etwas bei ihnen nie passieren könne. Die Qualität des Essens sei garantiert, die beiden Piloten dürften niemals die gleiche Bordmahlzeit essen und das ganze Szenario sei ohnehin völlig absurd. Letzteres Argument ist gar nicht mal so schlecht, wenn man betrachtet, was in Hollywood alles herhalten musste um Flüge in Gefahr zu bringen: Immer wieder Lebensmittel, Blitzschlag, Schnee, Schlangen, Kleinflugzeuge, Terroristen, Komplizen von transportierten Gefangenen, Störungen des Raum-Zeit-Kontinuums. Da ist ganz schön viel abseitiger Kram bei. Andererseits ist einiges davon tatsächlich schon zur Bedrohung im Luftverkehr geworden. „Der böse Fisch“ weiterlesen

Hagel und Granaten

Heute Morgen war ich wieder dran, mit dem Hund raus zu gehen. Die Luft war angenehm sweatshirtkühl, doch konnte man schon ahnen wie warm es später werden würde. Der Himmel präsentierte sich von einem durchgehenden, nur vereinzelt von einem Kondensstreifen durchzogenen Blau. Ein Nachbar war mit seinem Sennenhund unterwegs und gemeinsam kamen wir zu dem Schluss, dass es nach dem vielen Regen und den Gewittern  Zeit ist für ein wenig schönes Wetter. Doch das Stichwort war schon gefallen.

„Was macht ihr eigentlich da oben, bei Gewitter und Blitzen?“, fragte er.“Nix“, sagte ich, „Weg bleiben.““Also fliegt ihr da einfach drüber?“, fragte er, und da die Hunde einträchtig über die Wiese rannten und sichtlich Spaß hatten, holte ich ein wenig aus.

Gewitter sind eins der wenigen für das Flugzeug selbst wirklich gefährlichen Phänomene da draussen. Das meiste Unbill beim Fliegen bedeutet kleinere oder größere Unbequemlichkeit bis hin zu Verletzungsgefahr und schwierige Managementaufgaben für die Piloten. Gewitter aber, vor allem eine ganze Bande davon, können ein Flugzeug einfach kaputt machen. „Hagel und Granaten“ weiterlesen