Reviere

Früher, in diesen alten IC-Zügen der Bahn, als es im Bahnhof noch Pipiverbot gab, hatten die Kloschüsseln diese Klappen, die auf Knopfdruck nach unten aufschwangen und das frisch von einem Gegebene auf dem unter der Öffnung vorbei zischenden Gleisbett – nun – verklappte. Der Knopf war ein mit Gummi verkleideter Knubbel auf dem Boden, hygienisch mit dem Fuß zu bedienen. Mit ein bisschen Geschick konnte man (zumindest als von der Natur zum Stehendpisser Ausgerüsteter – keine Ahnung, ob das für Frauen überhaupt anatomisch darstellbar war) mit einem Fuß den Knopf betätigend direkt durch das offene Loch urinieren.

Ich will jetzt nicht darüber philosophieren, ob das Vergnügen, das zu tun unschuldigem Spieltrieb entsprang, einem allgemeinen Allmachtsgefühl  oder einem wohl im Mittelhirn verwurzelten Reviermarkierungsgebot (und welcher andere Köter könnte schon mit einem einzigen Strahl eine solch ausgedehnte Grenze bestreichen).

Wie auch immer. Das Vergnügen war groß und neulich auf der Flugzeugtoilette – ich weiß um die Problematik von Druckunterschieden, der eisigen Außentemperatur, Dichtigkeiten, aber stellen sie es sich mal einen Moment vor – das Vergnügen, aus 10 Kilometern Höhe, durch dieses Loch, auf die vorbeiziehende Landschaft. Nur Pipi, bitte!

Natürlich mit genderneutral angeordneten Fußknöpfen für Spaß, Allmachtsgefühl, unglaublich riesiges markiertes Revier!

O.k. Die Realität ist Plastik, meist grau, selten ein winziges Fenster mit zerkratzter Scheibe. Enge, schlechtes Licht, Wackeln, Platzangst. Schade.

Schubert

Autor: Schubert

blickt schon aus beruflichen Gründen aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mit einer gewissen Distanz auf die vorbei ziehende Welt.

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