Alles Wurst

SushiwurstNeulich wieder, beim Japaner. Nicht in Düsseldorf. In Osaka. Sushi Karussell, quasi beim Erfinder. Gerade war die Frage ob wir vor dem sich ständig wiederholenden Sushi-Ketten-Jingle, das klang wie Chipmunks und 8bit Synthesizer auf Extasy, fliehen oder noch die letzten Lücken im Verdauungssystem mit grünem Jelly füllen sollten, mit Hilfe einiger über drahtlosen Touchscreen bestellten Bier entschieden worden, da hatte ich eine Erscheinung. Zwischen Fischeiern und Garnelenschwanz fuhr ein Paar Würstchen auf Reis vorbei, garniert mit Seetang und Mayonnaise.

Also, ich esse ja gerne mal ’ne Currywurst, wobei ich mich aus der Diskussion, ob die in Hamburg oder Berlin erfunden wurde oder ob die nur mit einer weißen oder roten Wurst wirklich echt ist, gerne heraus halte. Auch eine Bratwurst auf Brot oder ein Paar Wiener zum Kartoffelsalat, ein Hotdog in New York an der Straßenecke oder Nürnberger mit Sauerkraut werden mit Hingabe verspeist.

Ich esse auch gerne Sushi. Und selbst einige wirklich eklige Dinger, die ich niiieee essen würde, sehe ich mir gerne an, denn viele von diesen kleinen Häppchen sind wahre Kunstwerke, was die Komposition von Farbe und Form, Proportion und Textur und (für Liebhaber auch von) Geschmack betrifft. Diese Würstchen jedoch waren kulinarische Popart, Koons-Sushi, eine Synthie-Pop-Coverversion des Krautrock-Originals. Sie fuhren ein paar mal vorbei. Irgendwann habe ich zugegriffen. Wenigstens waren sie mit 100 Yen billiger als die Hotdogs bei Ikea.

Kringel im Meer

Neulich habe ich sie gefunden. Die Strudel, Kringel, Wirbel, die ein befreundeter Blogger hier beschrieben hat. Natürlich ist sein Bild viel schöner. Er hatte ja eine Kamera – ich nur ein 3G, das wirklich miserable Bilder macht, wie man sieht.

 Aber es geht hier nicht um die Qualität, sondern um das Motiv: mysteriöse Kringel im Eismeer südöstlich von Grönland. Ob hier der Malmstrom am Werk war, die Transpolardrift, der Grönlandstrom,  Mikroorganismen ihre Schwarm-Intelligenz austoben oder der Grönländische Aktionskünstler Asuleerpoq Eqqumiitsuliortoq (*) über 20 Jahre lang Millionen von Eisschollen mit seinem Kanu metergenau positioniert hat, um auf den schwindenden Lebensbereich der Eisbären aufmerksam zu machen, konnte ich aus 11km Höhe nicht ausmachen. Was mich bei der Betrachtung aber nachdenklich machte, war die Erkenntnis, dass Erhabenheit, Schönheit, Ästhetik keine menschliche Erfindungen sind, sondern durchaus vollendet ausserhalb von Ateliers und Galerien vorkommen. Sogar da, wo normalerweise keiner hinschaut.

* Ich danke den Betreibern von Oqaaserpassualeriffik für ihr Online Wörterbuch.

Fragment 1: fallout

Fragmente.

Das ist der Titel dieses Blogs. Und hier sollen sie erscheinen. Ein Beginn, passend zum neuen Jahr.

Idee dieses Kommunikationsmoduls ist es poetische Texte durch bildnerische Elemente zu kommentieren, illustrieren bzw. ergänzen. In unserer Welt gehen leise Worte schnell im Rauschen der Marktschreier unter, schnelle Bilder, hochfrequent getaktet, überreizen die Wahrnehmung – wir möchten hier ab und an eine kurze Unterbrechung einschalten.

Hier das erste „Bruchstück“
Fallout I/II
Text von Holger Schubert Illustration von Herbert Thum

Wir freuen uns über liebevoll vorgetragene und ebenso angenommene wertvolle Hinweise!

Zu klein? Dann klicken!

Fallout

 

Rückblicke

Ja, es ist wahr. Manche Sachen kann man einfach nicht mehr hören. Ich rede dabei nicht von dem Gesabbel im Unterschichtfernsehen. Ich rede vom Tagesgeschehen, dem wiederaufer- nein, -gestanden zu Guttenberg und seiner nicht enden wollenden Doktorarbeitsaffäre (gibt es wirklich nichts anderes an ihm zu mäkeln?), den hunderte scheinenden Jahresrückblicken im Fernsehen, die im Wahn, unbedingt der erste sein zu müssen, immer früher gesendet werden und bald, ähnlich wie Weihnachtsplätzchen Ende August die Supermärkte befallen, direkt nach den Sommerferien ausgestrahlt werden.

Die Themen sind wie immer entweder wohlbekannt und entsprechend abgedroschen oder völlig neu und unbekannt und sollten es auch bleiben. Ich muss nicht von Jauch über jeden deutschen Verkehrsunfall unterrichtet werden, bei dem mal keiner gestorben ist. Ich will nicht von Hape hören, ob der Stelzenmann zurück in die Öffentlichkeit will. Ja, Fukushima war schlimm und wir können von Glück reden, dass unsere Brüter und Castoren nicht allzu heftig geschüttelt werden. Aber will ich vor diesem Hintergrund alles über Oma Ernas entlaufenes Hündchen hören? Lasst mich in Frieden mit Eurer aufgesetzten Betroffenheit!

Da schau ich doch lieber den satirischen Beitrag meines Wahlheimatcomedians. Aber auch der wird es tun. Zumindest hat er es auf der öffentlichen Generalprobe getan (und dieser Beitrag sollte schon letzte Woche online gehen). Er wird von der Volkskrankheit des Jahres reden – Burnout! Und er wird Recht haben, indem er feststellt, dass nicht jeder, der gerade eine schlechte Phase hat, Burnout hat. Aber er wird auch sagen, dass jemand, der immer müde ist, vielleicht gar keinen Burnout hat, sondern einfach überfordert ist. Und damit wird er zeigen, dass auch er es nicht verstanden hat. Denn genau das ist das Problem des Burnout: Überforderung über einen zu langen Zeitraum. „Echter“ Burnout ist per Definition eine depressive Episode, aber das klingt dem Deutschen zu sehr nach Psychokram. Das findet er irgendwie suspekt. Das ist nicht schick. Das ist eine echte Krankheit, manchmal unheilbar, also unberechenbar. Also muss etwas salonfähiges her, etwas weltgewandtes, ein Anglizismus, denn die sind in deutschen Manageretagen seit Jahrzehnten immer ein Garant dafür, alte Hüte mit neuen Namen prima verkaufen zu können.

Depressive müssen den Zug nehmen. Ein Manager mit Burnout darf sich (in machen Branchen) outen. Sogar im DFB, dem letzten Wirtschaftszweig Deutschlands ohne Homosexuelle.

Zurück zur Überforderung: Ist die grassierende Überforderung wirklich so erstaunlich? Am Fließband ist man schon vor einigen Jahren darauf gekommen, dass nicht nur die Qualität der abgegebenen Arbeit bei zu hohen Akkordquoten auf Dauer eher leidet. Aber heute ist man weiter: das wird im Büro der Takt hoch geschraubt. Sicher gibt es immer noch Ebenen und Branchen in denen gearbeitet wird wie bei Stromberg, in vielen anderen Bereichen, nicht nur im mittleren und höheren Management hoch globalisierter Unternehmen, wird immer mehr Last auf immer weniger Schultern verteilt. Muss man sich dann wundern, wenn das eines Tages zuviel wird? Früher gab es das nicht? Früher hatten wir Vollbeschäftigung! Heute haben wir fast 5 Millionen Arbeitslose (Der Knick nach 2005 ist nicht etwa boomende Wirtschaft, sondern – bei nahezu gleich bleibend gemeldeten Stellen -an derEinführung von Hartz 4 und den Ein-Euro-Jobs). Die machen gar nix, jedenfalls nicht auf Steuerkarte. Ihre Arbeit wird aber von den anderen mit gemacht. Und wenn jetzt bei eon 6000 Stellen abgebaut werden, heisst das ja nicht unbedingt, dass weniger zu tun wäre als bisher. Es muss gespart werden. Und da in den letzten Jahren jeder andere Spartrick ausprobiert worden ist, kommt jetzt immer mehr das Personal dran. Nehmen Sie mal den Baumarkt um die Ecke. Ist der kleiner geworden? Ist das Angebot geschrumpft? Kommen weniger Kunden? Warum nur findet man dann niemanden mehr zwischen den Regalen, der einem weiter helfen kann? Weil die einem noch nie weiter helfen konnten? Nee, da ist niemand mehr. Die sind entweder alle arbeitslos oder in psychotherapeutischer Reha. Mein Nachbar sagt, da gibt es in Deutschland mehr Betten als im ganzen Rest der Welt. Entweder ist das wieder so eine Perversion unseres Gesundheitssystems, das eigentlich ein Krankheitssystem ist, oder wir wären besser mal – wie die Amerikaner – in den Siebzigern und Achtzigern schön zum Psychologen gerannt, statt darüber zu spotten. Dann ginge uns das heute bestimmt besser. Wir machen denen doch sonst so gerne alles nach. Aber auch das kann ich nicht mehr hören…

Fast fertig

So. Der Blog ist soweit fertig. es kann los gehen. Die paar kleinen Designmacken müssen warten, bis wichtigere Dinge erledigt sind: Die Galerie!

Gucken kann man schon, wenn man weiss wo man suchen muss. Alle anderen müssen sich noch ein paar Tage gedulden. Aber es wird…

Hallo, fragmentierte Welt!

Das ist der erste Artikel in unserem neuen Blog. Wir werden sehen, ob das zur Institution wird, ob regelmäßig verschiedene Autoren hier posten, oder ob nur sporadisch ein paar Fragmente hier erscheinen. Da Fragmente, Übergang, Zwischenstadium, Zwischenraum unsere Hauptthemen sein sollen, nennen wir diesen Blog „Fragmente“.

Ich hoffe, ihr werdet hier fündig!